Neuerwerbungen 2011

Dank der Jubiläumsstiftung Kunstverein Winterthur konnte die französische Malerei des 19. Jahrhunderts durch ein wichtiges Werk ergänzt werden, nämlich durch eine Landschaft von Odilon Redon. Während der Periode der “Noirs”, der dunklen Kohlezeichnungen und Lithographien der 1870er und 1880er Jahre, malte Redon verschiedentlich Landschaftsmotive in den heimischen Landes oder in der Bretagne. Es sind kleinformatige Ansichten in Blau- und Grautönen, die er als “études pour l’auteur” bezeichnete. Zu Lebzeiten stellte er sie nicht aus, und so wurden sie erst nach seinem Tod bekannt. Diese an Ort gemalten kleinformatigen Studien zeigen Redons Nähe zu Camille Corot, den der junge Maler aufgesucht hatte und in dessen Malerei er erkannte, dass sich “der Traum auf die gesehene Realität abstützt”. Das Winterthurer Bild zeigt eine Strandpartie in der Bretagne, die nach rechts durch Felsen begrenzt wird. Eine zunächst realistische Szene, die indes durch die Felsen mit ihren Schatten ein Geheimnis erhält, das den Darstellungen der Corot-Schule abgeht und Redon eigen ist.

Mit Hilfe der selben Stiftung konnte ein weiteres wichtiges Werk für die Sammlung amerikanischer Kunst erworben werden, nämlich der 1965 entstandene Sketch for Pink Area von Robert Mangold, eine Studie für ein grosses, später zerstörtes Bild. Der Maler ging in seinen frühen Arbeiten von einer Beobachtung aus, die ihn als Neuzugezogenen in New York faszinierte, nämlich von den Negativformen zwischen den dicht stehenden Gebäuden. Aus diesen architektonischen Leerformen konzipierte er unregelmässig geformte Bilder, die er nicht als Objekt auf der Wand, sondern als flächige Gebilde, als der Wand adäquat verstand. In den “areas”, wie Mangold sie nannte, sind die einzigen Gestaltungsmittel der Aussenkontur, der die Form des Bildes bestimmt, und der kaum merkliche Verlauf der Farbe, welcher der Fläche ihre Orientierung verleiht.