Graphische Sammlung

Die Entstehung einer eigentlichen Graphischen Sammlung am Kunstmuseum Winterthur geht zurück auf die Museumseröffnung von 1916, als man unter der Aegide von Oskar Reinhart damit begann, kontinuierlich Zeichnungen und verwandte Arbeiten zu erwerben.

Die Werke der Graphischen Sammlung stellen keinen umfassenden historischen Ueberblick dar, sondern ergänzen pointiert die Gemälde und Skulpturen im Museum. So gibt es grössere Bestände von August Graff und von Hans von Marées, danach einzelne Zeichnungen von Camille Corot, Vincent van Gogh, Camille Pissarro, Odilon Redon. Die nachfolgende Generation ist mit Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Félix Vallotton, K.-X. Roussel, aber auch mit ihren schweizerischen Zeitgenossen Ferdinand Hodler, Giovanni Giacometti und René Auberjonois vertreten. Von Ernst Ludwig Kirchner gibt es Zeichnungen und seltene Holzschnitte aus der ehemaligen Sammlung Georg Reinhart. Die Kubisten Georges Braque, Pablo Picasso, Juan Gris, Fernand Léger, Henri Laurens sind mit Arbeiten präsent. Für die Avantgarden der zwanziger und dreissiger Jahre stehen Blätter von Paul Klee, Max Ernst, Hans Arp, Kurt Schwitters, Theo van Doesburg, Sophie Taeuber-Arp und eine Werkgruppe von Otto Meyer-Amden.

Dem grossen französischen Einzelgänger Henri Michaux ist eine in Entstehung begriffene Werkgruppe gewidmet. Einen Schwerpunkt in der neueren Kunst bildet Italien: in den Arbeiten von Lucio Fontana, Luciano Fabro, Giulio Paolini, Mario Merz, Marisa Merz und Jannis Kounellis treten vom konzeptuellen Entwurf bis zur grossformatigen raumbestimmenden Arbeit verschiedene Aspekte der Zeichnung hervor. Ebenso ist die neuere amerikanische Kunst vertreten – die malerischen Positionen von Myron Stout, Philip Guston, Eva Hesse, Kimber Smith, James Bishop, Michael Venezia, Jerry Zeniuk. Daneben skulptural und konzeptuell geprägte Werke von John Chamberlain, David Rabinowitch, Robert Grosvenor, Fred Sandback, Barry Le Va, Bill Bollinger, Lawrence Weiner, Rita McBride und Roni Horn. Die Arbeiten von Richard Hamilton, Richard Artschwager und Vija Celmins nehmen Bezug auf photographische Bildvorlagen. Im Kunstmuseum Winterthur wird die umfangreichste Gruppe von zeichnerischen Arbeiten Gerhard Richters aufbewahrt. Aus der jüngsten Zeit zu nennen sind Werkgruppen von Thomas Schütte, Thomas Scheibitz und Pedro Cabrita Reis.

Eine kommentierte Auswahl von 250 der schönsten Werke wurde 2000 unter dem Titel Von Edgar Degas bis Gerhard Richter: Arbeiten auf Papier aus der Sammlung des Kunstmuseums Winterthur veröffentlicht.