Portraitserie Galerieverein
Wir stellen unser Mitglied Petra Sulzer-von der Assen vor

Petra, du bist Mitglied im Galerieverein und selbst als Künstlerin tätig. Seit Jahrzehnten schaffst du schöne und beeindruckende Skulpturen, vorwiegend Plastiken, in deinem Atelier in Winterthur. Erzähl uns, wie du zur Kunst gekommen und Künstlerin geworden bist?

Die Kunst hat mich schon zu Schulzeiten interessiert. Im Gymnasium (Abitur im 1976) hat mich der Zeichenlehrer gefördert und mir überraschend viele Jahre später im 2014 eine Ausstellung im Kunst und Kulturkreis Damme/Deutschland ermöglicht. Mein beruflicher Werdegang verlief aber aus finanzieller Vernunft erst einmal im medizinischen Bereich und das kreative Schaffen blieb ein Traum. Als das jüngste unserer drei Kinder dann in den Kindergarten kam, durfte ich vor 27 Jahren meine künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten und das Wissen um die verschiedenen Techniken an der Zürcher Hochschule der Künste und in Studienaufenthalten im In- und Ausland vertiefen. Relativ schnell ergab sich die Mitgliedschaft bei SIK ISEA, SGBK, Visarte Donna, Visarte Zürich und im Café des Arts. Ich engagiere mich gerne in Künstlerorganisationen als aktives Mitglied und in der Vorstandsarbeit, zudem auch bei kunstbasierten Neugründungen von Vereinen.

Seit 2001 nehme ich vorwiegend mit Plastiken aus Bronze an Ausstellungen teil. Seit 2007 sind es 3 bis 4 Ausstellungen pro Jahr. Das kreative Schaffen ist für mich eine Lebensqualität, ein Lebenselixier, das ich sehr zu schätzen weiss und niemals missen möchte.

 

Als Künstlerin wirst du einen anderen Blick haben, wie du Werken begegnest. Welche Kunst und welche Künstler:innen beeindrucken dich besonders und warum? Lässt du dich von Ihnen inspirieren?

Museumsbesuche gehörten schon seit meiner Jugend zu einem ausgesprochenen Vergnügen. Die Venus von Willendorf, eine fast 30’000 Jahre alte 11 cm hohe Frauenstatuette aus Kalkstein, hat mich regelrecht umgehauen. So voluminös, so schön, so klein und stark- ich malte mir in Gedanken ihr Leben vor Urzeiten aus. Auch der Besuch des Lehmbruck Museums in Duisburg hinterliess früh seine Spuren und nebst vielen anderen Museen wird es nach Möglichkeit immer in meine Deutschlandreisen eingebaut. Die Werke von Fausto Melotti und Guiseppe Penone haben mich hier im Museum beeindruckt – und natürlich Alberto und Diego Giacometti. Ich freue mich in Museen immer auf das Entdecken von berührenden starken Skulpturen und Bildern. Es gibt auch sehr viele Künstler der Gegenwart, denen ich hohen Respekt zolle. Manchmal begegnet man ihnen sogar persönlich:  Franz Gertsch habe ich mal zufällig in Burgdorf in «seinem» Museum angetroffen und ihn gefragt, ob er seine Werke gut ins Ausland abgeben könne, da er, so schien es mir, gerade mit Wehmut davon Abschied nahm. Mit Gerhard Richter durfte ich sogar im Kunst Museum Winterthur schon ein kurzes Gespräch über die Kunst führen: «Kunst macht Spass, nicht wahr?», fragte er…. Thomas Schütte würde ich zu gerne mal treffen. 2003 hatte er das letzte Mal in Winterthur in einer Einzelausstellung ausgestellt. Eine weitere Ausstellung von ihm hier in Winterthur wäre der absolute Hit.

Bei den Vernissagen finde ich es toll, die Künstler direkt über das eine oder andere Werk reden zu hören. Die erwähnten Künstler spielen selbstverständlich in einer ganz anderen Liga als ich, aber ich fühle mich nicht ausgeschlossen und kann vieles nachvollziehen. Gespräche mit und Werke von Künstlern aus meinem Umfeld berühren mich manchmal ebenso sehr.  Hierbei schätze ich das untereinander Austauschen und die Freundschaften, die sich ergeben haben. All das ist inspirierend und motivierend; Dran bleiben, etwas schaffen, auf dem man weiter aufbauen kann.

 

Gibt es in der Sammlung des Kunst Museum Winterthur eine Skulptur, welche für dich eine besondere Bedeutung hat oder welche du als dein Lieblingswerk bezeichnest?

Wie gesagt, mag ich die Werke von Thomas Schütte ganz besonders. Das Kunst Museum Winterthur hat auch eine Skulptur von ihm: Bronzefrau Nr. 3. an der Liebestrasse. Wählen würde ich allerdings als Lieblingswerk eher die Femme couchée  von Alberto Giacometti. Giacometti zu wählen scheint banal, aber ich stehe dazu, dass seine Werke für mich wirklich sehr ausdrucksstark sind. Seine Zeichnungen gehen unter die Haut und die Reduktion der Schlafenden «Löffelfrau» spricht mich sehr an.

An was arbeitest du aktuell und wo können unsere interessierten Mitglieder deine Arbeiten als nächstes besichtigen?

Bis vor 3 Jahren habe ich die Kleinskulpturen fast ausschliesslich mit Ton oder Wachs geformt. Die anschliessenden Güsse erfolgten in Beton, Marmor oder vorwiegend bei der Kunstgiesserei Bründler in Bronze (mittlerweile über 420 Skulpturen). Das werde ich auch weiterhin wohl so machen, auch wenn es einen neuen Schritt gibt:

Bei der neuen Formfindung starte ich mit Styropor und Gips. Die Figuren werden grösser, werden gescannt und mit einem biobasierten Polymer in 3D gedruckt, geschliffen, gespachtelt und vom Maler oder in der Autowerkstatt gespritzt. Das ist viel aufwändiger, als ich anfangs dachte, aber eröffnet neue Möglichkeiten im Ausdruck. Gleichzeitig führt auch diese neue, zeitbezogene Methode zu überraschenden Einsichten und interessanten Kontakten. Ich bin sehr gespannt, wie sie auf die Besucher wirken werden.

  • Die nächste Ausstellung mit Schwerpunkt auf diese 3D-Objekte ist in Elsau in der Galerie IMTENN vom 4.-12.7.2026
  • am 26. & 27.09.2026 kann man im Rahmen des Atelierrundganges mein Atelier und vor allem Bronzearbeiten anschauen
  • und in der Einzelausstellung in der Galerie für Gegenwartskunst Schaffhausen vom 10.10.-15.11.2026 werden Zeichnungen, 3D-Objekte und Bronzen gezeigt.

 

Mehr Infos findet man auf meiner Webseite: www.petrasulzer.ch oder auf Instagram: @petravonderassen.