Simon Starling
The Artist, Wearing a Mask of Adolph Menzel, Holds Plaster Casts of the Ambidextrous German Painter’s Left and Right Hands (and Other Interventions)

28.2. – 5.7.2026 | Reinhart am Stadtgarten

Simon Starling
The Artist Wearing a Mask of Adolph Menzel and
Holding Plaster Casts of the Left and Right Hands
of the Ambidextrous German Painter, 2025 (Sketch)

Medienorientierung zur Ausstellung am Donnerstag, 26. Februar 2026, 11 Uhr in Anwesenheit des Künstlers (Bitte um Anmeldung) oder individuelle Führung auf Anfrage

Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten
Stadthausstrasse 6, 8400 Winterthur

Das Kunst Museum Winterthur präsentiert Simon Starling im Dialog mit Werken von Adolph Menzel, Caspar Wolf und anderer Künstler aus der Stiftung Oskar Reinhart. Die Ausstellung zeigt, wie Starling historische Bildwelten in zeitgenössische Reflexionen über Stadt, Natur und Wandel transformiert.

Der 1967 in Epsom (UK) geborene Simon Starling, der sich in seinem künstlerischen Schaffen seit Jahren Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie widmet, wandte sich wiederholt Meisterwerken der Kunst- und Kulturgeschichte zu: Fiat und Piaggio ebenso wie Tiepolo und eben Adolph Menzel.

An der Ritterstrasse 43 in Berlin wohnte in den Jahren 1847/1848 der Maler Adolph Menzel. Den Blick aus dem Fenster auf den Hinterhof verewigte er in einer kleinformatigen Ölskizze: Berliner Hinterhäuser im Schnee (1847/1848). Der bedeutendste Vertreter des deutschen Realismus zeigt sich darin als Meister einer protoimpressionistischen Malerei, die den unspektakulären Ausblick im Moment festhält – in seiner Alltäglichkeit von spektakulärer malerischer Qualität.

Den Blick in den Hof verstellt an der Ritterstrasse 43 heute ein Wohnblock mit kastenförmigen Balkonen. Simon Starling übersetzte Menzels kleinformatiges Gemälde inklusive Rahmen in einem aufwendigen 3D-Druckverfahren in eine monumentale Installation und fügte sie in eine Fotografie des Ausblicks ein, wie er sich heute präsentiert – als Dialog historischer und zeitgenössischer Bildgattungen, als künstlerische Reflexion über die Veränderungen des urbanen Raums wie auch als Memento: Während Starling das Menzel-Projekt realisierte, wütete die Pandemie. Das öffentliche Leben war zum Erliegen gekommen, Ausstellungen wurden verschoben, man musste zuhause bleiben. Menzels Blick aus dem Fenster erhielt ungeahnte Aktualität. «Durch die Pandemie gab es plötzlich diese gesteigerte Sensibilität für die Natur. […] Man hatte das Gefühl, dass man den Frühling auf eine viel kontemplativere Weise beobachten konnte, als man es normalerweise tut», erzählte der Künstler, der mit Ritterstrasse 43 thematisiert, «wie wir Bilder von der Natur machen und wie sich das verändert hat.»

Mit The Artist, Wearing a Mask of Adolph Menzel, Holds Plaster Casts of the Ambidextrous German Painter’s Left and Right Hands (Deutsch: Der Künstler, der eine Maske von Adolph Menzel trägt, hält Gipsabdrücke der linken und rechten Hand des beidhändigen deutschen Malers in Händen) greift Simon Starling indes nicht nur Bildmotive des deutschen Realisten auf, er widmet ihm zudem eine plastische Figur. Diese liebevolle Hommage, ein Doppelporträt, zeigt den jüngeren Künstler mit zwei Gipsabgüssen der Hände des perfekt zweihändig arbeitenden Malers, die zu Menzels Lebzeiten angefertigt wurden; eine Hand hält einen Pinsel, die andere einen Bleistift. Diese Starling-Menzel-Figur entwickelte der britische Künstler als Teil eines umfangreichen Werkkomplexes Project for an Exhibition, Part 2 (2024 – 2026) mit mehreren weiteren Figuren, die in der Ausstellung gleichsam als Museumsführer wirken und in denen Starling zahlreichen für sein Denken wichtigen verstorbenen Designern, Literaten und Wissenschaftlern eine eigenwillige Hommage widmet.

Wie auch das Werk von Adolph Menzel findet eine weitere raumgreifende Installation von Simon Starling, One Ton III (2024), im Kunst Museum Winterthur ein passendes neues Zuhause in der Nachbarschaft früher Gletscherdarstellungen von Schweizer Malern wie Felix Meyer und Caspar Wolf. Dieses nomadische Werk, ursprünglich für die schweizweite Ausstellung Watch the Glacier Disappear geschaffen, entstand auf der Grundlage eines Fotonegativs des Morteratschgletschers, aufgenommen 1879 von Jules Beck. Dieses Bild wurde schrittweise restauriert, neu gedruckt und anschliessend mithilfe eines eigens dafür entwickelten hybriden Transport- und Ausstellungssystems zurück an den Standort des inzwischen stark geschwundenen Gletschers im Engadin gebracht.

In den letzten Jahren war das Schaffen des heute in Kopenhagen lebenden Künstlers in Museen weltweit zu sehen. Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur präsentiert ausgewählte Werkgruppen des Künstlers im Dialog mit Gemälden der Stiftung Oskar Reinhart – gewissermassen von Menzel bis Starling.