3 x 2: Fokus Winterthur
Dave Bopp / Nicolle Bussien
11.9. – 4.10.2026 | Reinhart am Stadtgarten
Die Dezemberausstellung ist traditionell die Plattform für das Kunstschaffen aus Stadt und Region Winterthur. 2026 zeigt die Fokusschau für einmal keine kuratierte Gruppenausstellung. Stattdessen wird drei Mal für jeweils drei Wochen der Fokus auf zwei Künstler:innen mit Bezug zur Stadt oder der Region Winterthur gesetzt. Werke von Dave Bopp und Nicolle Bussien sind vom 11. September bis 4. Oktober 2026 im Kabinettraum und im Foyer des Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten zu sehen.
Dave Bopp
Dave Bopp ist 1988 in Basel geboren, in Winterthur aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Seiner Heimatstadt blieb er jedoch stets verbunden und nahm trotz internationaler Ausstellungstätigkeit regelmässig an Dezemberausstellungen teil. Seit Jahren betreibt Dave Bopp eine eigene künstlerische Recherche, die zwischen malerischen und digitalen Welten oszilliert. Die sechs hochformatigen Werke der Serie Sailor von 2025 sowie die fünf Kleinformate folgen dem eingeschlagenen künstlerischen Weg und erweitern zugleich dessen technische Möglichkeiten: Dave Bopp schüttet verschiedene Acrylharzlacke, alles Industrieprodukte, auf herkömmliche Aluminiumverbundplatten und beobachtet, wie die Materialien aufeinander reagieren, sich verbinden oder einander abstossen. In einem weiteren Schritt fotografiert er das Geschaffene und überprüft bzw. überarbeitet es am Computer, um sich anschliessend wieder der Bildtafel zuzuwenden. Dabei trägt er einzelne Stellen ab, um sie im selben Verfahren von Grund auf neu zu bearbeiten. Das Giessen und Sprühen von Lacken und Tuschen hat der Künstler zudem um eine Marmoriertechnik erweitert. Bei dieser Technik werden Kunstharzlacke auf Wasser getropft, die sich dann schwimmend auf der Oberfläche ausbreiten, weil sie sich nicht mit dem Wasser mischen. All diese Prozesse können sich wiederholen, bis der Künstler mit dem geschaffenen Gemälde zufrieden ist. Waren frühere Arbeiten von einem hektischen Allover geprägt, konzentrieren sich die Formen in Sailor und verdichten sich zu abstrakten Landschaften, die gemäss Max Glauner «an extraterrestrische Unorte auf weit entfernten Sternen und Planeten von eigenem exotischem Reiz zwischen schmeichelnder Anziehung und abstossender Unwirtlichkeit» erinnern. Vom Extraterrestrischen zurück in die Realität des existierenden Kapitalismus, d. h. zu Luxus und Begehren.
Nicolle Bussien
Nicolle Bussien ist aus Winterthur gebürtig, wurde 1991 in Olten geboren und lebt und arbeitet heute in Zürich. Ihr multidisziplinäres Schaffen war bereits mehrfach an der Dezemberausstellung in Winterthur zu sehen. So richtete sie in Vermögensumverteilungsgesetz (2022) einen Schalter einer Amtsstube ein, an dem gestohlene Gegenstände abgegeben und von den vormaligen Besitzer:innen zurückerworben werden konnten. Dazu hatte die Künstlerin eine Juristin beauftragt, eine entsprechende Gesetzesvorlage nach Schweizer Recht zu verfassen. Nicolle Bussien setzt sich mit Normen unserer Gesellschaft auseinander; dokumentarisch und fiktiv. Der diebischen Natur in uns ist auch ihre aktuelle, zweiteilige Videoarbeit Le Bon Marché (2026) gewidmet. Diese ist sinnigerweise im Shopbereich hier in der Eingangshalle des Museums installiert. Die Geschichte dazu ist folgende und ich bitte Sie, geschätzte Gäste, sich nicht daran zu orientieren. Im 19. Jahrhundert wurde «Kleptomanie» als medizinische Diagnose etabliert. Sie konnte Gerichtsurteile mildern, während sie in unteren Schichten für denselben Diebstahl hart bestraft wurde. Auf diesem historischen Hintergrund basiert Le Bon Marché (dt. «günstiger Markt»), dessen Titel dem ersten Warenhaus in Paris entliehen ist, das heute zu den vornehmsten Adressen zählt. Entstanden während eines Aufenthaltes an der Cité des Arts, zeigt die Arbeit verschiedene Protagonistinnen in den heutigen Räumen des Kaufhauses. Eine Offstimme zählt alltägliche Erledigungen auf, deren Sprache und Inhalt indes ans 19. Jahrhundert angelehnt sind. Ausgehend von einer Einkaufsliste verdichten sich die Begehrlichkeiten schrittweise zu gesellschaftlichen Erwartungen und moralischen Rechtfertigungen, in denen sich das Verlangen nach Luxus mit Klassen- und Kapitalismuskritik verbindet. Und damit der Kleptomanie nicht allzu sehr gefrönt wird, haben wir die Guilty Pleasures, die Schlüsselanh.nger von Nicolle Bussien, unter einer Plexiglashaube sicher präsentiert. Da sie mit Sicherheitspins ausgestattet sind, würden sie beim Verlassen des Museums sowieso Alarm auslösen.
Klodin Erb / Esther Mathis 14.8. – 6.9.2026
Dave Bopp / Nicolle Bussien 11.9. – 4.10.2026
Reto Boller / Céline Brunko 9.10. – 1.11.2026
Kuratiert von Konrad Bitterli und Andrea Lutz
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