3 x 2: Fokus Winterthur
Klodin Erb / Esther Mathis
14.8. – 6.9.2026 | Reinhart am Stadtgarten
Die Dezemberausstellung ist traditionell die Plattform für das Kunstschaffen aus Stadt und Region Winterthur. 2026 zeigt die Fokusschau für einmal keine kuratierte Gruppenausstellung. Stattdessen wird drei Mal für jeweils drei Wochen der Fokus auf zwei Künstler:innen mit Bezug zur Stadt oder der Region Winterthur gesetzt. Den Auftakt machen Klodin Erb und Esther Mathis. Ihre Werke sind vom 14. August bis 6. September 2026 im Kabinettraum und im Foyer des Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten zu sehen.
Klodin Erb
Die 1963 in Winterthur geborene und im Weinland aufgewachsene Klodin Erb ist eine der profiliertesten Künstlerinnen der Schweiz. Ihr Schaffen umfasst neben klassischer Malerei auch Videoarbeiten, Installation und Performances. Bekannt geworden ist sie insbesondere durch ihre schwungvolle Malerei, welche lustvoll mit den Traditionen des Genres spielt, zugleich gespickt ist mit Anspielungen auf die Kunstgeschichte – von den Altmeistern bis zur Gegenwart des «bad painting» bzw. von der Figuration bis zur Abstraktion. Zu letzterem zählen auch ihre Werke For Ryman #1 – #7 (1995), die als Gesamtserie in der Ausstellung 3 x 2 präsentiert werden. Dabei bezieht sich Klodin Erb auf das Schaffen des amerikanischen Malers Robert Ryman, der im Umfeld der Minimal Art sein gesamtes Oeuvre der Untersuchung des Auftragens von Farbe auf einen Bildträger und des Bildträgers an sich widmete – konzentriert in der Nichtfarbe Weiss. Klodin Erb hatte sich intensiv mit dessen Werk beschäftigt und u.a. Führungen in den Hallen für neue Kunst in Schaffhausen zu Robert Ryman angeboten. Ironisch unterläuft sie dessen analytischen Ansatz, indem sie unterschiedliche, natürlich weisse Gardinenstoffe auf einen quadratischen Bildträger im Format von 50 auf 50 Zentimeter aufzieht und dabei perfekte minimalistische Rymans schafft, ohne auch nur einen Pinselstrich gesetzt zu haben.
Esther Mathis
Esther Mathis wurde 1985 in Winterthur geboren und lebt und arbeitet heute in Zürich. Bekannt wurde sie in den vergangenen Jahren mit installativen Arbeiten, die das Licht einfangen, bündeln und reflektieren. Ihre poetischen Objekte basieren meist auf industriell gefertigten Materialien, die sie ihrem ursprünglichen Verwendungszweck entfremdet und auf ihre ästhetischen Eigenschaften hin überprüft. Es gelingt ihr dabei, «alltägliche Industriematerialien mit leichten, aber sicheren Gesten in Objekte von zarter Schönheit zu verwandeln» (Leila Peacock). Auch die Werke aus der Serie Liminal Bone (2026) sind das Ergebnis eines solchen raffinierten Transformationsprozesses. Dabei verwendet die Künstlerin semitransparente Polyester-Wellplatten, ein gängiges, flexibles Baumaterial. Dieses wird zu eleganten Säulen geformt und durch die spezifische Konstruktion stabilisiert, worauf der Titel Liminal Bone (dt. Schwellenknochen) verweist: Flexibilität wird Stabilität. In der Säule konzentriert sich das Licht, verstärkt wird dieser visuelle Effekt durch lange Aluminiumgitter, gleichermassen ein industrielles Massenprodukt, die in die Säule eingefügt, wie fein bewegte Lichtreflektoren wirken. Insbesondere beim Umschreiten der filigranen Objekte löst sich die profane Alltagsästhetik auf in ephemere Lichtphänomene von erwähnt zarter Schönheit.
Über die Dezemberausstellung
Die Dezemberausstellung ist traditionell die Plattform für das Kunstschaffen aus Stadt und Region Winterthur. Diese findet seit längerem im jährlichen Turnus einer jurierten Ausstellung in der Kunsthalle und im Kunst Museum Winterthur und einer Fokus-Ausstellung auf Einladung nur im Kunst Museum Winterthur statt. In diesem Format wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Ansätze erprobt. So luden einmal vom Kuratorenteam ausgewählte Künstler und Künstlerinnen jeweils einen Kollegen oder eine Kollegin ein, in einem anderen Jahr beschränkte sich das Museum gezielt auf eine jüngere Generation Kunstschaffender, die bis dato noch nicht oder kaum ausgestellt hatten.
Aufgrund des Umbaus vom Erweiterungsbau im Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus werden 2026 statt einer kuratierten Gruppenausstellung ausgewählte Positionen mit grösserer Präsenz im Kabinettraum und im Foyer des Museums Reinhart am Stadtgarten gezeigt.
Die drei Künstler:innen-Duos der ersten erneuerten Ausgabe lauten:
Klodin Erb / Esther Mathis
14.8. – 6.9.2026
Dave Bopp / Nicolle Bussien
11.9. – 4.10.2026
Reto Boller / Céline Brunko
9.10. – 1.11.2026
Kuratiert von Konrad Bitterli und Andrea Lutz
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