Zu Tisch mit Pieter Claesz
Stillleben im Fokus
ab 14.11.2026 | Reinhart am Stadtgarten
Medienorientierung:
Donnerstag, 12. November 2026, 11 Uhr (Bitte um Anmeldung) oder individuelle Führung auf Anfrage.
Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten
Stadthausstrasse 6
8400 Winterthur
Das Kunst Museum Winterthur widmet zusammen mit der Kaiserschild-Stiftung dem niederländischen Barockmaler Pieter Claesz vom 14. November 2026 bis 14. März 2027 eine Kabinettausstellung. Im Zentrum stehen seine kunstvoll komponierten Mahlzeitenstillleben, in denen sich Genuss und Wohlstand mit dem Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Lebens verbinden. Die Ausstellung zeigt Werke von Pieter Claesz und seinem Haarlemer Umfeld im Dialog mit hochauflösenden digitalen Vermittlungsangeboten, die Teil des Projekts Kaiserschild Art Defined sind.
Der Tisch ist gedeckt: knusprige Brötchen, glänzende Austern, gesalzener Fisch, Pasteten und kunstvoll angeschnittene Zitronen laden zum Zugreifen ein. Doch Vorsicht: In den Stillleben von Pieter Claesz (1597/98–1660) ist nichts einfach nur, wie es scheint. Mit raffinierten Lichtstimmungen und verblüffend differenziert gemalten Oberflächen verwandelte er gedeckte Tafeln in täuschend echte sinnliche Bildwelten. Metall, Glas, Stoffe und Lebensmittel sind mit solcher Präzision wiedergegeben, dass sie beinahe zum Zugreifen einladen. Claesz’ Stillleben spiegeln die Lebenswelt des reichen niederländischen Bürgertums im sogenannten Goldenen Zeitalter. Die dargestellten Speisen und kostbaren Gegenstände verweisen auf Wohlstand und Genuss. Gleichzeitig besitzen die scheinbar harmlosen Szenen eine zweite Ebene: Umgestürzte Gläser, angeschnittene Speisen, erloschene Kerzen und Uhren erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens. Besonders in den Vanitasstillleben wird die barocke Vorstellung von der Flüchtigkeit und Endlichkeit alles Irdischen unmittelbar sichtbar.
Claesz zählt zu den bedeutendsten Stilllebenmalern des 17. Jahrhunderts und gilt als innovativster Vertreter der sogenannten monochromen «Banketjes». Um 1620/1621 liess er sich im wirtschaftlich aufstrebenden Haarlem nieder und entwickelte dort seinen unverwechselbaren Stil. In vier Jahrzehnten schuf er ein umfangreiches Œuvre; mehr als 240 Gemälde sind heute von ihm bekannt. Während ältere Stillleben häufig durch opulente Farbigkeit und eine Fülle von Gegenständen geprägt waren, setzte Claesz auf gedeckte Farben, klare Kompositionen mit wenigen Objekten und fein abgestimmte Licht- und Schattenwirkungen.
Die Ausstellung Zu Tisch mit Pieter Claesz richtet den Blick zugleich auf Claesz’ Haarlemer Umfeld und damit auf ein bedeutendes Zentrum der niederländischen Stilllebenmalerei. In Haarlem hatten sich Darstellungen gedeckter Tafeln und kostbarer Auslagen bereits zu Beginn des Jahrhunderts etabliert. Claesz allerdings entwickelte die Tradition entscheidend weiter. Seine Mahlzeitenstillleben machten ihn zu seiner Zeit berühmt und wurden zu seinem Markenzeichen. Sie zeugen von aussergewöhnlicher Meisterschaft in der illusionistischen Darstellung von Materialien und Oberflächen und haben das Bild des niederländischen Stilllebens bis heute geprägt.
Originale im Dialog mit digitaler Vermittlung
Ein besonderer Akzent der Ausstellung liegt auf der Vermittlung. In Kooperation mit der Kaiserschild-Stiftung Wien und im Rahmen des Projekts Kaiserschild Art Defined wurden sechs Gemälde hochauflösend digitalisiert. Die Digitalisate ermöglichen Einblicke bis in feinste Details der Malerei. Ein interaktiver Medientisch lädt dazu ein, die digitalen Aufnahmen zu erkunden und mit den Originalen zu vergleichen. Kurzfilme und ein digitaler Guide vermitteln ergänzend Aspekte aus Claesz’ Leben und Schaffen sowie den kulturellen und historischen Kontext seiner Werke.
Zu Tisch mit Pieter Claesz ist eine Kooperation mit der Kaiserschild-Stiftung, dem Kunsthistorischen Museum Wien und der Alten Galerie des Universalmuseums Joanneum in Graz. Nach Präsentationen in Wien und Graz ist Winterthur die dritte Station. Für die Ausstellung in Winterthur wird die Präsentation um zusätzliche Werke von Pieter Claesz und seinem Umfeld aus eigenen Beständen sowie aus Schweizer Museen und Privatbesitz erweitert.
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