Heidi Bucher – Liesl Raff
Closer
13.6. – 8.11.2026 | Beim Stadthaus
Medienorientierung zur Ausstellung am Donnerstag, 11. Juni 2026, 11 Uhr mit Kurator Lynn Kost, Künstlerin Liesl Raff und Künstler Mayo Bucher (Sohn und Nachlassverwalter von Heidi Bucher)(Bitte um Anmeldung) oder individuelle Führung auf Anfrage
Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus
Museumstrasse 52
8400 Winterthur
Zum 100. Geburtstag der Winterthurer Künstlerin Heidi Bucher stellt das Kunst Museum Winterthur ihr Werk in einen zeitgenössischen Dialog mit der Wiener Künstlerin Liesl Raff – eine sinnlich erfahrbare Ausstellung über Raum, Materialität und körperliche Aneignung.
Menschen formen Räume – und Räume formen uns. Diese wechselseitige Dynamik prägt nicht nur unsere Umgebung, sondern auch unsere Wahrnehmung, unser Erinnerungsvermögen und unsere Empfindungen. Heidi Bucher (1926–1993) widmete sich diesem Verhältnis mit aussergewöhnlicher Konsequenz. Ihre berühmten «Häutungen» verwandeln Wände, Böden und Türen in schimmernde Latexhäute. Durch das Abziehen dieser elastischen Schichten eignete sie sich die Räume performativ an, legte deren verborgenes Leben frei und machte Geschichte, Gedächtnis und Emotionen auf neue Weise sichtbar.
Die in Wien lebende Künstlerin Liesl Raff (*1979) greift ähnliche Fragestellungen auf, jedoch aus einer anderen künstlerischen Haltung heraus. Sie arbeitet mit Latex nicht als Spurenträger, sondern vielmehr als formbare, sinnliche Substanz. Durch ihre Eingriffe verändert sich die Raumerfahrung: Härten werden geglättet, Grenzen durchlässiger, Strukturen werden verschoben und zu bühnenhaften Gebilden. Raff kleidet Räume aus und schafft atmosphärische Zonen von Konzentration, Intimität und Geborgenheit. Der Raum wird somit nicht nur geformt, sondern auch emotional aufgeladen.
Das Kunst Museum Winterthur feiert den 100. Geburtstag von Heidi Bucher nicht als historischen Rückblick. Vielmehr wirft es einen aktuellen Blick auf ihr Werk. In ihren 1993 verfassten Notizen zur Häutung der Villa Bleuler schrieb Bucher: «Ich muss allem näher kommen.» Nähe bedeutete ihr ein körperliches Verstehen. An diesen Gedanken knüpft die Ausstellung Closer an. Während Raff den White Cube in ein atmendes Gefüge aus Stoff, Latex, Epoxid, Stahl und federnden Böden verwandelt, betreten die Besucher:innen ein atmosphärisches Gesamtkunstwerk, in dem Buchers fragile Zeichnungen, Seidencollagen und Frottagen sinnlich eingebettet sind. Die Spannung zwischen skulpturaler Geste und ephemerem Strich, weichen und harten Materialien, zwischen Licht, Farbe und unterschiedlichen Oberflächen verbindet zentrale Merkmale beider künstlerischer Ansätze, denen Raff die Bühne bereitet. Durch ihre feinfühlige Sensibilität für Materialien und das Vertrauen in die Ausdruckskraft der Stoffe selbst verdichten beide Künstlerinnen Stimmungen und Raumempfinden.



